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Beförderung mittels Visitenkarte Wie aus einem technischen Sachbearbeiter ein Projektleiter wird
Franz B. hatte sich für ein Informatikstudium an der TU Wien entschieden. Nach reiflicher Überlegung und kritischer Evaluierung seiner Interessen und Neigungen war er zu dem Schluss gekommen, dass ihm ein technisches Studium die optimale Voraussetzung für seine spätere Berufslaufbahn bieten würde. Der IT-Sektor und der Telekommunikationsbereich boomten massiv und so wollte er eine Karriere als IT-Spezialist planen. Franz B. wurde bereits im letzten Semester seines Studiums intensiv von IT-Systemanbietern, Softwareunternehmen und IT-Dienstleistern umworben. Er entschied sich für ein Unternehmen, das ihm die Mitarbeit in einem strategisch wichtigen Produktentwicklungsprojekt anbot. Zwei Tage nach seiner Sponsion konnte Franz B. seinen Weg auf der Karriereleiter beginnen. Franz B. wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass gerade technisch orientierte Unternehmen besonders anfällig für gewisse Fallen in der Karriereplanung und der Personalentwicklung sind. Und so kam es wie es kommen musste: Franz B. arbeitete sich gut und schnell ein und wurde auf Grund seiner technischen Kompetenz bald zu einem unersetzlichen Teammitglied in seinem Projekt. Er schätzte besonders den Freiraum für technische Tüftelarbeiten, den ihm sein Projektleiter gab. Am liebsten zog er sich für Wochen in sein Büro zurück, bis er eines der anspruchsvollen Probleme gelöst hatte, die immer wieder im Projekt auftraten. Die Ergebnisse seiner Mühen aber auch noch dem Projektteam, dem Projektleiter und dem Projektauftraggeber zu präsentieren und zu erklären, lag ihm weniger. In solchen Situationen fühlte er sich regelmäßig unsicher - er war vor manchen Präsentationen fast so nervös wie vor einer wichtigen Prüfung während seines Studiums. Zum Glück war diese Art von Tätigkeit nur ein sehr kleiner Teil seines Arbeitsalltags, sodass er sich rasch wieder seinen technischen Problemlösungen widmen konnte. Nach 13 Monaten wurde das Projekt mit großem Erfolg abgeschlossen, die versprochenen Prämien wurden ausgeschüttet und Franz B. freute sich bereits auf seinen nächsten Job als technischer Experte in einem neuen Projekt. Erstens kommt es anders… Aber es sollte anders kommen! Ganz anders! Durch seine kompetente Arbeit hatte sich Franz B. bereits in kurzer Zeit einen guten Namen innerhalb des Unternehmens gemacht. Da aufgrund der hervorragenden Auftragslage ein notorischer Personalmangel herrschte, gab es in der Firma ein von der Personalabteilung implementiertes System, das besonders vielversprechende Mitarbeiter identifiziert. Eines Tages klopfte der Personalchef auch an die Tür von Franz B. und machte ihm ein tolles An-gebot: Aufgrund seiner guten Leistung und des entsprechenden Feedbacks seiner Kollegen und Vorgesetzten wollte die Firma Franz B. im nächsten Projekt nicht als einfaches technisches Teammitglied sondern als Projektleiter einsetzen. Der Personalchef hatte bereits den Entwurf eines neuen Vertrages bei sich (Gage plus 30 Prozent!), die neuen Visitenkarten für Franz B. seien ebenfalls bereits organisiert. Und so machte Franz B. eine Blitzkarriere - gestern noch technischer Sachbearbeiter und heute Projektleiter! Für Franz B. war nun klar, um in diesem Unternehmen zu Karriere, Status und Geld zu kommen, musste er sich von seinem bisherigen Dasein als technischer Experte verabschieden und den ihm völlig unbekannten Weg des Projektmanagers einschlagen. Da er weder in seinem Studium noch in seiner bisherigen Praxis mit einer Projektmanagementausbildung versorgt worden war, fühlte er sich nicht sehr wohl in seiner Haut. Schließlich war aber die Verlockung des neuen Jobangebotes größer als seine Befürchtungen. Er sagte dem Personalchef zu: "Das bisschen Ausbildung werden wir schon hinkriegen!" waren die Abschiedsworte, die Franz B. zu hören bekam... Das kommt Ihnen bekannt vor? Es gibt noch mehr ... Das Peter-Prinzip In traditionellen Unternehmen ist am Anfang der Karriere das fachlich-technische Know how am wichtigsten und nimmt in seiner Bedeutung mit zunehmendem Aufstieg in der Linienhierarchie ab. Die Mitarbeiter dieser Unterehmen werden jedoch nicht oder nur mangelhaft auf diese Situation vorbereitet. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die meisten Unternehmen Personalentwicklung und Karriereplanung nach dem klassischen Peterprinzip praktizieren: Befördert wird immer der, der in seinem Tätigkeitsfeld am kompetentesten ist. Der beste Techniker wird zum Projektleiter befördert, der beste Projektleiter zum Abteilungsleiter gemacht. Damit landet der Mitarbeiter automatisch in einem neuen Tätigkeitsbereich, für den er durch seine Ausbildung oder seiner bisherigen Berufserfahrung nicht geeignet ist. Hier setzen dann mühevolle und oft teure Personalentwicklungsmaßnahmen an, die beförderten Mitarbeiter entsprechend zu qualifizieren. Sobald sich der Mitarbeiter seinem neuen Job etabliert hat, erfolgt oft der nächste Karrieresprung - und das Spiel beginnt von vorne. Beförderung wird betrieben, bis jeder sein persönliches Maximum an Inkompetenz erreicht hat, denn an dieser Stelle der Karriereleiter bleibt der Mitarbeiter dann stehen. Mit anderen Worten: Im Endausbau des Peterprinzips sitzen an den richtigen Stellen immer die falschen Leute - checken Sie einmal ihr eigenes Unternehmen unter diesem Gesichtspunkt ! Drang zur Linienkarriere Zusätzlich bewirkt das Peterprinzip automatisch einen massiven Drang zur Linienkarriere (alle Lemminge in die Linie!), da nur über diesen Weg Geld, Macht und Prestige erreichbar sind. Die Konsequenz daraus ist eine meist viel zu aufgeblähte Linienstruktur mit etlichen Berichts- und Verantwortungsebenen, da man ja alle qualifizierten Mitarbeiter, die man halten möchte, mit irgendeinem Karriereplätzchen versorgen muss. Ein sehr bekanntes IT-Unternehmen musste erst kürzlich seine Berichtsebenen von 11 auf 3 reduzieren, da das System nicht mehr zu steuern war. Der Ausweg? Wie kommen wir da wieder raus ? Projektorientierte Unternehmen, wie jenes von Franz B., identifizieren das Dilemma meist sehr rasch, da ihnen durch laufende Beförderung der Fachleute zu Managern dauernd die Experten verloren gehen und der Arbeitsmarkt ziemlich ausgetrocknet ist. Die Auswege aus dieser Problematik lassen sich in folgenden 10 Geboten für die Karriereplanung und Perso-nalentwicklung in projektorientierten Unternehmen zusammenfassen (siehe Kasten). Gastautor Mag. Bernhard Weidinger, next level consulting ist Betriebswirt, hat eine langjährige Praxis als Trainer und Berater sowie als Universitätslektor. Mag. Weidinger erreichen Sie unter: 01/478 06 60-0
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